Attack_on_Titan2_Aufmacher

Vor rund anderthalb Jahren veröffentlichte Entwickler Tecmo Koeis Omega Force durchaus etwas überraschend den Action-Titel Attack on Titan, basierend auf dem erfolgreichen Anime. Mit A.o.T. 2 ist kürzlich der Nachfolger erschienen und wieder dürft ihr euch in den Kampf gegen menschenfressende Titanen begeben. Doch will man das überhaupt? Wir haben uns das Spiel einmal näher angesehen.

Die Menschheit ist in Gefahr
Im Alternativ-Universum von Attack on Titan läuft es alles andere als geordnet und friedlich ab. Riesige, sich von Menschen ernährende Titanen, treiben ihr Unwesen und haben die Einwohnerzahlen bereits deutlich sinken lassen. Die wenigen Überlebenden ergeben sich jedoch nicht kampflos, sondern haben sich in ein durch drei riesige Mauern geschütztes Stadtsystem zurückgezogen und versuchen dort eine Lösung für ihr zugegebenermaßen großes Problem zu finden. Doch ein riesiger Titan hat die Mauern teilweise zerstört und zumindest kleinere Titanen schaffen es hindurch. Eine Gruppe von Soldaten zieht jedoch immer wieder los, um die hungrigen Titanen in die Flucht zu schlagen und ihr seid, wie sollte es anders sein, genau mittendrin.

Wer sich jetzt denkt „Moment Mal, das kenne ich doch?“, liegt mit dieser Vermutung wahrscheinlich nicht ganz falsch. Entweder weil man die Anime-Vorlage kennt oder aber den Vorgänger bereits gespielt hat. Denn rund 2/3 des Spiels basiert auf der ersten Staffel der Serie, wie eben auch schon der Vorgänger-Titel. Selbst Zwischensequenzen ähneln sich verdammt stark. Man bekommt fast den Eindruck, als wenn der zweite Teil das besser machen möchte, man beim ersten Teil versäumt wurde. Immerhin, im letzten dritten des Spiels geht der Titel dann aber auch auf die Geschehnisse der zweiten Staffel ein. Etwas kurios ist es aber dennoch.

Brachial
Die große Stärke von A.o.T.2 ist ganz klar die brachiale Inszenierung der dynamischen Kämpfe gegen die Titanen. Und dabei geht es ordentlich zur Sache. Mit der so genannten „3D-Manöver-Ausrüstung“ könnt ihr euch gekonnt durch die Stadt katapultieren und gleichzeitig mit euern Klingen die Widersacher angreifen. Und nicht nur das, zahlreiche Hilfsmittel stehen ebenfalls für den Kampf zur Verfügung. So könnt ihr beispielsweise mit Greifhaken auf die Titanen schießen, umkreisen und ihnen einen gezielten Schaden zufügen. Das macht schon eine Menge Laune, wenngleich die Kämpfe auf Dauer natürlich meist nach einem gewissen Schema ablaufen. Allerdings müsst ihr euch bei stärkeren Titanen hier und da schon eine etwas andere Taktik zurechtlegen, um erfolgreich zu sein. Anders als noch beim Vorgänger schlüpft ihr im Übrigen nicht mehr in verschiedene Rollen, sondern in die eines einzelnen Kämpfers, den ihr vorab erstellen könnt.

Neben des neuen, eigenen Charakters, gibt es auch weitere Neuerungen. Eine wichtige ist dabei die Möglichkeit, die Riesen mittels Hinterhaltangriffen auszuschalten. Hierfür nehmt ihr einen Titanen per Fernrohr ins Visier und versucht diesen ohne viel Aufmerksamkeit niederzustrecken. In jedem Fall eine neue, abwechslungsreiche Gameplayvariante.

Schicke Präsentation mit Schwächen
Attack on Titan 2 kann vielleicht nicht mit der Qualität mancher Titel wie z.B. Horizon mithalten, sieht aber dennoch hübsch aus. Besonders der Anime-Stil der Serie wurde gut eingefangen und weiß durchaus zu überzeugen. Bei den Animationen allerdings muss man hier und da dann doch ein Auge zudrücken, da diese mitunter sehr ungelenk und unrealistisch wirken. Das wird besonders deutlich, wenn man seinem Gegner bereits einige Extremitäten abgehauen hat. Doch sei es drum, nett anzusehen ist der Titel allemal. Dazu zählt auch die größtenteils zerstörbare Umgebung.

Übrigens, euern Charakter könnt ihr im Laufe des Spiels weiterentwickeln, wenn sich dies auch eine etwas zähe Aufgabe herausgestellt hat. Neue Fähigkeiten bekommt ihr allerdings nur, wen ihr bestimmte Freundschaftslevel bei anderen Charakteren erreicht oder kleinere Missionen für sie erledigt. Ersteres jedoch lässt sich nur über die rein auf  Japanisch mit deutschen Untertiteln ablaufenden Gespräche oder über gemeinsame Kämpfe erreichen.

Mangelnde Abwechslung
Wie auch schon der Vorgänger hat auch A.o.T. 2 ein Problem: auf Dauer mangelt es an Abwechslung. Zwar macht es durchaus Spaß in den Kampf zu ziehen, mit der Zeit stumpft es dann aber doch etwas ab. Da hilft dann auch nicht „der andere Modus“, bei dem es ebenfalls darum geht, Titanen auszuschalten. Und auch beim Online-Modus sieht es nicht viel anders aus, wobei es durchaus Spaß macht mit Freunden auf Titanen-Jagd zu gehen. Unterm Strich bleibt es aber dann doch etwas wenig, wenngleich das durchdachte Kampfsystem wirklich gelungen und die große Stärke des Spiels ist.

Fazit
A.o.T. 2 fühlt sich nur bedingt wie eine echte Fortsetzung an.  Zwar wurde an Grafik und Gameplay geschraubt, die Story ist aber größtenteils schlichtweg identisch. Und ein Problem konnten die Entwickler leider auch nicht in den Griff bekommen, die mangelnde Abwechslung. Dafür sieht der Titel aber durchaus nett aus und bietet ein gelungenes Kampfsystem. Fans der Serie werden auf jeden Fall ihren Spaß haben. Besitzt man allerdings bereits den Vorgänger, sollte man abwägen, ob die Änderungen einen Kauf wirklich rechtfertigen.

 

Attack on Titan 2 (Xbox One)