Gravel_aufmacher

Der italienische Entwickler Milestone dürfte vielen ein Begriff sein, schließlich sind sie verantwortlich für Titel wie MotoGP, Ride 2 oder das von uns kürzlich getestete Monster Energy Supercross – The Official Videogame. Stand bei den bisherigen Spielen meist der Realismus im Vordergrund, schlägt man mit dem Arcade-Offroad-Racer Gravel einen ganz anderen Weg ein. Wie sich das Rennspiel geschlagen hat, verraten wir euch in unserem Test.

Offroad-Feeling
In Gravel schlüpft ihr in die Rolle eines neuen, aufstrebenden Offroad-Rennfahrers. Zur Auswahl stehen euch dabei insgesamt 45 Rallyautos. Angefangen vom Lancia Delta S4 bis zu Trophy Trucks wie dem Ford F-150 Raptor ist alles dabei. Insgesamt erwarten euch vier verschiedene Rennkategorien. Bei „Cross Country“ rast ihr, ähnlich wie bei den Querfeldein-Rennen von DIRT, durch Landschaften in Alaska, Namibia oder den französischen Alpen. Bei  „Stadion Circuits“  messt ihr euch auf kurzen Buckelpisten mit den Gegnern und bei „Wild Rush“ erwarten auch ganz spezielle Strecken wie z.B. ein Steinbruch in Australien. Alle Strecken dieser Rennkategorien sind frei erfunden, allerdings gibt es ja auch noch die vierte Rennkategorie „Speed Cross“. Hier fahrt ihr nämlich auf Original Rallycross-Strecken, genauer gesagt auf neun der 16 Kurse der FIA World Rallycross Championship 2017. Zählt man alle Strecken der vier Disziplinen zusammen, kommt man am Ende auf stolze 51. Was sich viel anhört, fühlt sich in der Realität aber gar nicht so viel an. Das liegt einfach daran, dass sich die Verläufe, Längen und Umgebungen einiger Strecke doch stark ähneln.

Gravel hat aber noch mehr als nur die vier Rennkategorien zu bieten. Denn zu den Disziplinen gehören neben normalen Rundkurs- und Checkpoint-Rennen auch Eliminierungs-Wettbewerbe. Im Modus „Smash Up“ müsst ihr Tafeln mit grünen Pfeilen überfahren und die mit einem roten X gekonnt umfahren.

Karrieremodus
Natürlich gibt es auch in Gravel einen Karrieremodus, der in diesem Fall auf den Namen „Off-Road Masters“ hört. Allerdings ist der Begriff Karrieremodus vielleicht etwas zu hoch gegriffen. Vielmehr absolviert ihr eine Reihe von Einzelevents in einer der vier Rennkategorien, sammelt dabei Sterne und könnt die nächste Eventstufe freischalten. Alle paar Stufen wartet dann ein „Meister“ auf euch, den es dann in einem Duell zu schlagen. Ganz am Ende wartet dann noch der „Herrscher aller Klassen“ für ein finales Duell auf euch. Insgesamt werdet ihr für die Karriere rund acht Stunden benötigen.

Genau wie beim Karrieremodus zeigt sich der lineare Spielaufbau auch in anderen Bereichen. So könnt ihr Fahrzeuge nämlich nur in einer bestimmten Reihenfolge freizuschalten. Wollt ihr also eine ganz bestimmte Karre, müsst ihr euch unter Umständen erst eine ganze Weile gedulden. Also heißt es Rennen fahren und am besten auch gewinnen. Eure Punktausbeute hängt zum einen natürlich vom Rennergebnis ab, zum anderen sammelt ihr aber auch Punkte für Drifts, Sprünge und ähnliche Aktionen. Für eure Autos erhaltet ihr im Verlauf des Spiels zusätzliche Lackierungen. Das war es dann aber auch, auf Tuning-Optionen müsst ihr nämlich komplett verzichten.

Arcade pur
Gravel richtet sich klar an Arcade-Fans und so fliegt ihr fast buchstäblich über die Strecken. Zwar könnt ihr auf Wunsch Stabilitätskontrolle oder andere Fahrhilfen deaktivieren, eine Simulation wird der Titel aber dadurch dennoch nicht.  Trotzdem gibt es auch kleine Simulationsanteile. Und zwar dann, wenn ihr beispielsweise auf spiegelglatten Strecken unterwegs seid. Dann muss man seine Fahrweise zumindest ein wenig anpassen, zumal  man sonst nur recht selten den Fuß vom Gas nehmen muss. Das Gravel ein Arcade-Racer ist zeigt sich auch daran, dass die Fahrunterschiede zwischen einem kleinen Subaro und einem großen Hummer eher gering ausfallen. Doch sei es drum, Spaß macht Gravel allemal. Das liegt auch an dem starken Geschwindigkeitsgefühl.

Schicke Optik mit Mängeln
Gravel sieht wirklich gut aus. Die Strecken, insbesondere die Wälder in den Tropen oder Kanada, können sich mehr als sehen lassen. Und erfreulicherweise ist entlang der Piste auch immer etwas los, wenngleich das Publikum auf den Tribünen statisch bleibt. Und auch die Fahrzeugmodelle machen dank zahlreicher Details hinterlassen einen tollen Eindruck. Dennoch ist nicht alles Gold, das glänzt. Das zeigt sich vor allem bei den Kleinigkeiten. Fährt man beispielsweise durch ein vom Vordermann aufgespritztes Wasser, bleibt die eigene Windschutzscheibe seltsamerweise trocken. Matsch hingegen bleibt sehr wohl am eigenen Wagen hängen. Und auch das Schadensmodell ist eher als rudimentär zu bezeichnen, da ist die Konkurrenz durchaus ein Schritt weiter. Hinzukommen lediglich auftretende Framedrops und auffällige Texturnachlader. Dann können auch die wirklich schön anzusehenden wechselnden Tageszeiten nicht hinwegtäuschen.

Fazit
Gravel macht eine Menge Spaß. Dafür sorgen vor allem die gelungene Arcade-Fahrpyhsik und das starke Geschwindigkeitsgefühl. Zudem gibt es ausreichend Fahrzeuge, Strecken und Spielmodi um auch längerfristig zu motivieren. Allerdings gibt es auch negative Punkte wie den etwas lahmen Karrieremodus oder die hier und da auftretenden Grafikfehler. Was bleibt ist aber ein lohnenswerter Arade-Racer, der es vielleicht nicht mit einem Forza Horizon 3 aufnehmen kann, aber auf jeden Fall eine Menge Spaß bereitet

Gravel (Xbox One)