Ride3_aufmacher

Nachdem sich Entwickler Milestone in letzter Zeit vermehrt um Spiele zu den Rennserien der MXGP und MotoGP gekümmert hat, haben sich die Italiener nun wieder einmal ihrer Eigenmarke Ride 3 gewidmet. Natürlich stehen aber auch hier Motorräder im Mittelpunkt. Wie sich der neue Renntitel geschlagen hat, verraten wir in unserem Test.

Karriere machen
Ride 3 lässt sich ein wenig mit Gran Turismo vergleichen – nur eben mit Motorrädern. In der Karriere klappert ihr eine Veranstaltungsserie nach der anderen ab, kauft euch von Preisgeldern neue Maschinen oder motzt bestehende auf und schaltet weitere Rennserien frei. Den durchaus spannenden Team-Aspekt des Vorgängers gibt es allerdings nicht mehr, genauso wie Qualifyings oder Siegerehrungen. Dafür fahrt ihr jetzt nicht mehr ausschließlich bei Sommerwetter, sondern könnt euch auch auf ausgewählte Regenrennen freuen. Diese Freude wird allerdings auch wieder leicht getrübt, denn einen dynamischen Wetterwechsel oder gar einen Tag-/Nachtzyklus gibt es leider nicht. Insgesamt erwarten euch 17 verschiedene Schauplätze, die aber zum Teil mehrere Streckenvarianten bieten. Darunter auch klassische Pisten wie der Nürburgring, Daytona, Monza oder die Road America. Ihr dürft aber auch auf etwas anderen Strecken umherheizen, wie z.B. Landschaften in Finnland, Nordirland, Teneriffa oder am Gardasee in Italien.

Insgesamt präsentiert sich der Karrieremodus leider etwas dröge, Neuerungen oder eine verbindende, motivierende Story sucht man vergebens. Hier wäre auf jeden Fall deutlich mehr drin gewesen. Übrigens, auf einen Splitscreen-Modus müsst ihr diesmal verzichten. dürfen sich die bis zu zwölf Teilnehmer jetzt nur noch online in Einzelrennen oder eigenen Meisterschaften messen.

Fahrbare Untersätze
Motorradfans werden an Ride 3 ihre helle Freude haben. Euch erwartet ein umfangreicher Fuhrpark mit mehr als 200 verschiedenen, lizenzierten Modellen namhafte Hersteller wie Agilia, BMW, Ducati, Suzuki, Triumph oder Yamaha. Darunter findet ihr  Vertreter unterschiedlicher Klassen, wie z.B. Naked Bikes, Enduro-Maschinen oder Racing-Bikes. Natürlich könnt ihr diesmal intensiv an euern Maschinen herumbasteln und euer Setup optimieren. Dabei können individuelle Einstellungen an der Federung, dem Getriebe, der Steuerungskalibrierung und der Lenkung vorgenommen werden. Für manche Detaileinstellungen, wie z.B. der Lenkkopf-Neigung, benötigt ihr jedoch entsprechende Tuning-Maßnahmen – hiervon erwarten euch auch bei Ride 3 eine ganze Menge.

Neben inneren Werten kann aber auch das Aussehen der Rennmaschinen verändert werden. So könnt ihr euch z.B. schicke Felgen zulegen oder  eure Spiegel neu gestalten. Wer sich so richtig austoben möchte, kann dies im Lackierungseditor tun und sein ganz eigenes Design kreieren. So groß die Möglichkeiten bei den Motorrädern sind, so gering sind die Einstellungsmöglichkeiten hingegen beim Fahrer-Editor. Zwar könnt ihr auch da Details wie die Haltung bei Kurvenfahrten einstellen, dafür stehen aber beispielsweise eine nur kleine Anzahl an verschiedenen Gesichtern zur Auswahl.

Ab auf die Piste
Jetzt geht es erstmal auf die Rennstrecke. Und hier fällt direkt auf – die Fahrphysik überzeugt. Dank zahlreicher Einstellungsmöglichkeiten und Hilfen kann sich vom Einsteiger bis Profi jeder seine Steuerung so zusammenschustern, wie er es mag. Schön ist dabei insbesondere, dass sich die verschiedenen Modelle und Klassen nicht nur optisch unterscheiden, sondern sich auch wirklich unterschiedlich steuern.

Während die Fahrphysik und die Steuerung überzeugen, schneiden die KI und das Balancing leider schlechter ab. Wie auch schon beim Vorgänger ist der Schwierigkeitsgrad sehr schwankend. Und so ist es oftmals ein Glücksspiel, ob man den Gegnern haushoch überlegen oder gnadenlos unterlegen ist. Und auch bei der Fahrweise der KI-Gegner geht es zum Teil doch äußerst ruppig und rücksichtslos zu. Hier zeigt sich dann leider auch, dass das Strafsystem deutlich zu inkonsequent eingesetzt wird. Da ist man durchaus froh, dass man hier und da auch mal von der Rückspulfunktion Gebrauch machen kann.

Technischer Fortschritt
Technisch muss man Ride 3 eine klare Weiterentwicklung bescheinigen. Insbesondere das wirklich tolle Geschwindigkeitsgefühl und die konstanten 60 Bilder pro Sekunde sind aller Ehren wert. Auch bei den Strecken hat man einen Schritt nach vorne gemacht, insbesondere die Landschaften sehen jetzt deutlich besser aus als zuvor. Dennoch machen die meisten Strecken immer noch einen recht tristen Eindruck, bei der hohen Geschwindigkeit fällt das allerdings nicht mehr so stark ins Gewicht. Störend hingegen sind allerdings die immer noch sehr langen Ladezeiten sowie der auf Dauer etwas nervige Soundtrack. Dafür klingen die Motorengeräusche wirklich gut – satt und differenziert. Klasse!

Fazit
Entwickler Milestone haut mit Ride 3 sein mittlerweile viertes Motorradrennspiel in diesem Jahr raus. Und für mich steht fest:  Ride 3 ist das Beste! Und reicht es nicht, um in höchste Wertungssphären zu gelangen. Zwar ist der Fuhrpark beachtlich, die Fahrphysik gelungen und auch technisch wurden klare Fortschritte gemacht, dafür gibt es aber auch einige Kritikpunkte. Lange Ladezeiten, ein verbesserungswürdiges Balancing, eine unausgereifte KI und ein gestrichener lokaler Multiplayer. Dennoch ist Ride 3 keineswegs ein schlechter Titel, ich hatte auf jeden Fall großen Spaß meine Motorräder ordentlich aufzupimpen und um den Sieg zu fahren. Es wäre nur eben doch noch etwas mehr drin gewesen.

 

Ride 3 (Xbox One)